1874
verkündete Still seine neue Medizin und gibt ihr den Namen
Osteopathie.
Der zusammengesetzte Begriff leitet sich aus den altgriechischen
Wörtern Osteo für Knochen und Pathie für Leiden her.
Mit den Knochen hatte Still seine Studien begonnen, um die Leiden
seiner Patienten lindern zu können. Seit jener Zeit hat sich
die Osteopathie kontinuierlich weiterentwickelt, in den USA, ebenso
wie in Europa und anderen Teilen der Welt.
Heute
praktizieren etwa 54.000 Osteopathen in den USA ihren eigenständigen
Beruf. Sie führen den Titel D.O., Doctor of Osteopathy, und
sind Ärzten (Medical Doctors, MD) gleichgestellt. Daher verschreiben
Osteopathen in den USA Medikamente, spritzen und führen Operationen
durch. Die manuelle Diagnose und Behandlung des Patienten steht
bei ihnen meist nicht im Vordergrund.
Seit 1993 ist
der Beruf des Osteopathen in England rechtlich anerkannt. In Belgien
und Frankreich zählt die Osteopathie zu den allgemein anerkannten
Formen der Medizin. Praktiziert wird die Osteopathie in nahezu allen
europäischen Ländern. Auch hier zu Lande wird die Osteopathie
anerkannt. Sämtliche in der Schweiz praktizierende Osteopathen
haben bis 2012 ein Eidgenossisches Examen ab zu legen.
Hatte sich Still
vor allem mit dem Bewegungsapparat, also mit Knochen, Gelenken, Muskeln
und Sehnen beschäftigt (parietaler Bereich), entwickeln andere
Osteopathen das Konzept der Osteopathie fort.
Ein Schüler von Still, William Garner Sutherland (1873 –
1954), stellte 1939 das Phänomen der primären Respirationsbewegung
PAM vor. Die primäre Respirationsbewegung bildet fortan für
Osteopathen ein wichtiges Instrument zur Diagnose und Therapie.
Sutherland erweitert damit die Osteopathie um den so genannten kraniosakralen
Bereich.
Eine zusätzliche Ergänzung erfährt die Osteopathie
in den 1980er Jahren. Die französischen Osteopathen Jean-Pierre
Barral und Jacques Weischenck beschäftigen sich ausführlich
mit den inneren Organen und wie diese osteopathisch untersucht und
behandelt werden können. Sie erweitern die Osteopathie um den
so genannten viszeralen Bereich.
Auch heutzutage wird in der Osteopathie viel geforscht. Deshalb
wird sich die Osteopathie auch künftig zum Wohle des Patienten
weiterentwickeln.
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